Interview mit der Autorin Berta Berger

Gespräch über "Kunigunde Kugelrund" und das Anderssein

17.12.2009 Eva Maria Nielsen

Berta Berger, österreichische Schriftstellerin, hat schreibt sowohl mutmachende Kinderbücher als auch Thriller, die unter die Haut gehen.

Berta Berger liebt es, Geschichten zu erzählen. Und diese spannen weit - von Kinderbuchliteratur bis zu Thrillern. Hier erlaubt sie dem Leser einen Einblick in ihre Arbeit und einen Blick auf ihren Schreibtisch.

Frau Berta Berger, vor einigen Monaten erschien Ihr Kinderbuch ”Kunigunde Kugelrund”. Wovon handelt das Buch?

Das Buch erzählt die Geschichte Kunigundes, die keine Freunde hat und gehänselt wird, weil sie zu dick ist. Doch dann zieht ins Nebenhaus Franke ein. Sie ist das genaue Gegenteil, und anfangs möchte Kunigunde gar nichts mit dieser Bohnenstange zu tun haben. Doch dann merkt sie, dass es Franke ebenso schwer hat wie sie. Und zu zweit ist man stärker als allein. Im Grunde ist es ein Buch über Mobbing unter Kindern, über Freundschaft und Toleranz und für Kinder zwischen fünf und neun Jahren gedacht.

Was war die zündende Idee zu dieser Erzählung?

Mobbing ist ja immer wieder ein großes Thema. Es gibt in Österreich und auch in Deutschland immer mehr dicke Kinder, die zu Außenseitern werden und so in einen Teufelskreis geraten. Sie werden gehänselt, trösten sich mit Süßigkeiten, nehmen zu, werden noch mehr gehänselt ...

Was wollen Sie Kindern und Jugendlichen weitergeben?

Mit diesem Buch? In erster Linie soll eine Geschichte erzählt werden. In zweiter Linie möchte ich Empathie wecken. Kunigunde tut den meisten Kindern leid. Manche erkennen sich in ihr wieder, weil sie auch nicht perfekt sind und mit den anderen nicht mithalten können. Diesen Kindern tut es unheimlich gut, dass einmal eine Figur wie Kunigunde die Hauptrolle spielt. In einer Welt, in der alle möglichst gut aussehen müssen (wird uns ja von der Werbung so suggeriert), ist es nicht selbstverständlich, dass in einem Buch ein Mädchen die Hauptfigur darstellt, das dick ist, weder schnell laufen, noch gut klettern kann.

Grundsätzlich ist es mir wichtig zu vermitteln, dass auf unserer Welt Platz für alle ist: für Arme und Reiche, für Dicke und Dünne, für Einheimische und Ausländer. Und dass ein Miteinander viel wichtiger ist, als ein Gegeneinander.

Ich verrate nun ein kleines Geheimnis: Sie schreiben nicht nur Kinderbücher, sondern auch Thriller. Nächstes Jahr kommt Ihr Thriller „Der Augenschneider“ heraus. In welchem Genre fühlen Sie sich am meisten zu Hause?

Nun, geheim war es tatsächlich und zwar solange, bis die Programmvorschau für´s Frühjahrsprogramm da war. Bis dahin hab ich wirklich nichts verraten dürfen, weder was den Titel, noch was mein Pseudonym angeht.

Ich schreibe beides aus Leidenschaft und könnte mir eines ohne das andere gar nicht vorstellen. Kinderbücher und Thriller mögen zwar widersprüchlich klingen, aber ich bin immer sehr froh, wenn ich mich nach intensiver Schreibphase in dem einen Genre wieder dem anderen zuwenden kann. Ich beschäftige mich immer sehr intensiv mit meinen Figuren, auch mit meinen Antagonisten und ihrer Gedanken- und Gefühlswelt. Das kann mitunter belastend sein. Da hilft es mir, wenn ich in die Kinderbuchliteratur flüchten kann. Da ist die Welt zwar auch nicht immer ganz in Ordnung, aber sie aus Kinderaugen zu betrachten erfüllt mich mit Freude und gibt mir wieder Energie.

Was fasziniert Sie an der Kinder- und Jugendliteratur? Wie sollte sie geschrieben sein?

Ich schreibe deshalb gern Kinderliteratur (im Jugendbereich fühl ich mich nicht so ganz zu Hause), weil ich mich immer sehr stark in meine Figuren hineinversetze und mir so meine Kindlichkeit, die Neugier bewahren kann.

Kinder- und Jugendliteratur sollte so geschrieben sein, dass Kinder und Jugendliche sie gern lesen. Oft sind es die Erwachsenen, die bestimmen, was ein Kind lesen sollte, sie sind ja auch diejenigen, die Bücher kaufen. Ich hatte selbst diese Beschränkungen nie und habe auch immer versucht, meinen Kindern keine solchen Vorgaben zu machen. Da kann es manchmal sein, dass auch Bücher im Einkaufswagen landen, die ich zwar nicht so toll finde, die aber von meinen Kindern dafür wirklich gelesen werden. Besser das, als Bücher zu kaufen, die ihnen keinen Spaß machen und die sie nicht lesen wollen.

Und was fasziniert Sie an den Thrillern und Krimis?

Eindeutig die menschlichen Abgründe. Ich versuche immer sehr vielschichtige Charaktere zu entwickeln, die mehr als nur gut und böse sind. Das ist die große Herausforderung. Meine Antagonisten begehen die grausamsten Verbrechen und so verwerflich ihre Taten auch sind, sie bleiben dennoch Menschen. Sie haben eine Vorgeschichte, die sie erst zu dem macht, was sie sind. Außerdem fasziniert mich die Arbeit der Polizei, der Gerichtsmedizin und der Forensik. In den Thrillern kann ich das alles miteinander verknüpfen.

Berta Berger: Kunigunde Kugelrund. Gebundene Ausgabe. 64 Seiten. Autumnus Verlag 2009. 14,90€.

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Kunigunde Kugelrund, Autumnus Verlag Kunigunde Kugelrund
Berta Berger, privat Berta Berger
 
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